Kompositionen von Steffi Weismann

Zur Kategorie „Kompositionen“ zähle ich Arbeiten, wenn die Parameter „Klang“ und „Timing“ eine zentrale Rolle spielen und eine Notation existiert, die es anderen Performer*innen und Musiker*innen ermöglicht, das Werk zu interpretieren.
Meine Kompositionen sind jedoch selten „reine Musikstücke“. Performative und visuelle Elemente sind integrale Bestandteile und behaupten sich oft als eigenständige Ebene im Sinne einer „Visual Music“. Auch sind sie so eng mit der Situation, den Bewegungen im Raum, der Klangerzeugung und einer bestimmten Art der Kommunikation verbunden, dass sie eine neue musiktheatralische Qualität erzeugen.
Mein Arbeitsansatz ist wesentlich durch meine Erfahrungen als Composer-Performerin geprägt. So lassen sich sicherlich Beeinflussungen durch Dieter Schnebel, die Maulwerker und Werke der Fluxusbewegung erkennen. Darüber hinaus beschäftigte ich mich seit 2004 mit elektronischen Erweiterungen und arbeitete an Kombinationen von digitalen und analogen Stimmen und Klängen. Annäherungen und Beeinflussungen zwischen Lebewesen und Maschinen markieren eine thematische Leitlinie.
Seit meiner Beschäftigung mit den Werken von Alvin Lucier und der Zusammenarbeit mit der Komponistin und Musikerin Annette Krebs hat sich meine Wahrnehmung von Klängen im Raum geschärft. Es folgte eine Reihe von Arbeiten mit Körpern, Objekten und Lautsprechern als mobile Klangquellen. Der Einsatz von Sensoren und Interfaces, sowie der Umgang mit Do-it-yourself-Technologien spielte für mich vor allem in den Jahren 2006-2014 eine wichtige Rolle.
In letzter Zeit beschäftige ich mich stärker mit Fragen der Partizipation. Wie kann der Prozess von aktiver Teilhabe in einer Aufführungssituation erlebt und gestaltet werden? Welche Regeln und Rahmenbedingungen werden mit der Komposition festgelegt oder offen gelassen? Im Umgang mit diesen Fragen verzichte ich meist auf technische Erweiterungen und verbringe die wertvolle und knappe Probenzeit lieber mit der Kommunikation zwischen den Menschen als mit den Maschinen. Ich betrachte das Ergebnis immer auch im Verhältnis zum Arbeitsprozess.
Der kreative Umgang mit der Programmierung und der Gestaltung von Interfaces, interessiert mich jedoch nach wie vor. Meist arbeite ich mit MaxMSP oder Arduino. Technische Interaktionen kommen dann vor allem bei Installationen und in der Zusammenarbeit mit anderen Komponist*innen und der Entwicklung audiovisueller Werke mit Live-Video zum Einsatz.