Steffi Weismann zu Komposition:

Zur Kategorie „Kompositionen“ zähle ich Arbeiten, wenn die Parameter „Klang“ und „Timing“ eine zentrale Rolle spielen und eine Art Notation existiert, die es anderen Performer*innen und Musiker*innen ermöglicht, das Werk zu interpretieren. Es sind jedoch selten „reine Musikstücke“. Performative und visuelle Elemente sind integrale Bestandteile und behaupten sich oft als eigenständige Ebene im Sinne einer „Visual Music“. Auch sind sie so eng mit der Situation, den Bewegungen im Raum, der Klangerzeugung und der Kommunikation im Live-Moment verbunden, dass sie eine musiktheatralische Qualität erzeugen.
Mein Arbeitsansatz ist wesentlich durch meine Erfahrungen als Composer-Performerin geprägt. So lassen sich sicherlich Beeinflussungen durch Dieter Schnebel, die Maulwerker und Werke der Fluxusbewegung erkennen, sowie auch eine Nähe zu Dada im Sinne des Unsinns. Die Werke von Alvin Lucier und die Zusammenarbeit mit der Komponistin und Musikerin Annette Krebs haben meine Wahrnehmung von Klängen im Raum geschärft. Zwischen 2009 und 2014 folgten verschiedene Arbeiten mit Körpern, Objekten und Lautsprechern als mobile Klangquellen. Darüber hinaus beschäftigte ich mich mit elektronischen Erweiterungen und der Kombination von digitalen und analogen Stimmen und Klängen. Absurde Dialoge und Annäherungen zwischen Lebewesen und Maschinen markieren eine thematische Leitlinie. Der Einsatz von Sensoren und Interfaces, sowie der Umgang mit Do-it-yourself-Technologien spielten in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

In letzter Zeit beschäftige ich mich stärker mit Fragen der Partizipation. Wie kann ein Prozess von passiver zu aktiver Teilhabe in einer Aufführungssituation erlebt und gestaltet werden? Wie kann dies mit wenig Vorbereitung gelingen? Kann ich über das Hören und den taktilen Umgang mit Dingen und Klangobjekten Berührungspunkte zur realen Welt finden und sie neu erleben? Wie lassen sich solche Erfahrungen auf das Publikum übertragen? Welche Regeln und Bedingungen lege ich mit der Komposition fest und welche lasse ich offen?
Im Umgang mit diesen Fragen verzichte ich möglichst auf technische Erweiterungen und verbringe meine Zeit lieber kommunikativen Austausch mit Menschen anstatt mit Maschinen. Der kreative Umgang mit der Programmierung und der Gestaltung von Interfaces, interessiert mich jedoch nach wie vor. Technische Interaktionen kommen vor allem bei Installationen und in der Zusammenarbeit mit anderen Komponist*innen und der Entwicklung audiovisueller Werke mit Live-Video zum Einsatz (Max MSP). Eine gesteigerte Aufmerksamkeit für die leisen und scheinbar belanglosen Dinge des Alltags erreiche ich oft durch technische Verstärkung (Kontaktmikrofone) bzw. Vergrößerung durch Mikroskopkameras.