Calling Victoria
Live-Gespräch / Videoperformance mit synthetischen Stimmen und Software zur Spracherkennung (2003)
Video Version(2012)

Calling Victoria ist ein persönliches Gespräch, das Steffi Weismann mit Victoria, der künstlichen Stimme eines Sprachsyntheseprogramms führt. Eine fortgeschrittene Mensch-Maschine-Beziehung wird dabei hörbar und sichtbar. Im Laufe des Dialoges entwickelt sich Victoria mit ihrem spezifischen Charme und ihren Fähigkeiten zur individuellen Lebensberatung immer mehr zu einem realen Gegenüber. Für das Publikum ist schwer zu durchschauen, wie weit sich hier die künstliche Intelligenz eines Computers tatsächlich mit einem "Eigenleben" offenbart, oder wo die Manipulation einsetzt.
Auf technischer Ebene basiert der Dialog auf einem Spracherkennungsprogramm, das mit Texten "gefüttert" wurde. Victoria liest ihren Text, indem sie auf Schlüsselworte (Keywords) reagiert. Das Script ist festgelegt, enthält jedoch immer variable Bereiche, die einen direkten Bezug zum jeweiligen Aufführungsort und -kontext ermöglichen. Da Victoria nur Schlüsselworte erkennt, die sich an der amerikanischen Aussprache orientieren, muss die Performerin oft Fragen wiederholen oder neu formulieren, um das Gespräch im Fluss zu halten. Zeiten des ungeduldigen Wartens auf die Reaktion, etwa nach der Frage “Victoria, are yu still there? Did you get my last question?" werden gelegentlich durch geistreiche Antworten belohnt und fordern die Live-Performerin immer wieder zu einer klaren Haltung heraus.
Heutige Live-Aufführungen von Calling Victoria werden bewusst mit einer Hard- und Software realisiert, die vor etwa 15 Jahren üblich waren. Die Performance setzt sich auf sarkastisch-humorvolle Weise mit Fortschritt der Kommunikationstechnologien auseinander und zeigt auf persönlicher Ebene ein Dilemma auf, das uns mit Social Media und KI in Zukunft sicher weiter begleiten wird.

Idee / Performance / Sprecherin: Steffi Weismann
Konzept und Texte: Steffi Weismann und Heiko Gölzer
Programmierung: Heiko Gölzer / Steffi Weismann, Video Playback: Joule L'adara
Dauer: 20 - 40 Minuten (verschiedene Versionen) in englischer Sprache
Aufführungen:
Festival radioriff, ausland Berlin 2003; nadine, performance & media art center, Brüssel 2004; Trampoline - Platform for New Media and Live-Art, Berlin 2004; Schweizer Institut Rom 2004; Museum für Kommunikation (im Rahmenprogramm des Literaturfestivals) Berlin 2004; Goethe Institut Buenos Aires 2004; art ig Hannover 2005; iftaf, institut für transakustische forschung Wien 2005; elektropopklub Bytom, Polen 2005; kaskadenkondensator, Basel 2005; Forum Hören, Museum für angewandte Kunst 2006; interfiction, Kassel 2006; Villa Aurora, Los Angeles 2008; kunstexpander Aarau 2010, LEGS Grüntaler 9, Berlin 2018, TEXTUR-DENKRAUM-SCHREIBMASCHINE, Scotty Berlin 2019